aktualisiert am 30.06.09

 

Inspiriert von Dorothea Fischers Versuchen mit dem frischen Kraut des Färberknöterichs habe ich auch begonnen, jedes Jahr ein kleines Knöterichbeet für mich anzulegen. Die Samen dafür bekommt man beim Thüringer Zentrum Nachwachsende Rohstoffe. Da ich dem Wetter in Deutschland nicht traue, werden die Pflanzen ab März auf dem Fensterbrett vorgezogen. Aus den winzigen Samen wachsen zarte, unscheinbare Pflänzchen, die sehr langsam wachsen, sich bei guter Wasserversorgung ab August aber in ein dichtes Feld strammer, grüner Pflanzen mit hübschen weißen Blüten verwandeln. Hier wachsen die Knöteriche für den Eigenbedarf und meinen Färbekurs: www.heerser-muehle.de

Wenn die Pflanzen groß genug sind, geht das Färben los. Im Gegensatz zu vielen anderen Farbpflanzen kann man mit den Knöterichblättern auch färben, wenn die Pflanzen blühen. Das eigentliche Färben ist so einfach wie die Verarbeitung von Spinat, völlig ungiftig und auch für kleine Kinder ein unglaublich sinnliches Erlebnis. Da der Pflanzensaft beim Färben nicht erhitzt wird, kann sich niemand an einer heißen Färbeflotte verbrühen!

Die Blätter werden gehackt und im Wasser eine Viertelstunde lang geknetet und gerubbelt.

Nach dem Abseihen - die Flüssigkeit ist quietschgrün!

Die eingelegte Wolle wird sofort grün.

Mamas kleiner Helfer: Simon bewegt die Wolle, damit die Farbe gleichmäßig aufzieht. Der Ton verändert sich zusehends von grün zu türkisblau!

Nach einer Stunde ändert sich die Farbe nicht mehr.

Jipiiiiieeeehhh!

    Das Rezept für 1000 g Wolle oder Seide:

  • 2000 g Blätter vom Färberknöterich (ganz frisch, ca. 7 Pflanzen)
  • 25l Wasser
  • 50 ml Essigessenz (25%ig)
  • Blätter von den Stängeln streifen, möglichst klein hacken und in kaltem Wasser rühren und rubbeln (bitte Gummihandschuhe anziehen, Hände und Fingernägel werden sonst ganz blau). Beim Knautschen und Kneten tritt der Pflanzensaft aus, die Flüssigkeit wird grün. Zur Stabilisierung Essigessenz einrühren. Blätter durchseihen, mit Wasser aufgießen und Vorgang wiederholen. Auffüllen auf 25 l, dann trockene Seide oder Wolle einlegen, gelegentlich untertauchen und bewegen. Nach einer Stunde das nun blaue Material herausholen, eine halbe Stunde an der Luft oxidieren lassen. Dreimal spülen und trocknen. Fertig!

Hier wird unter anderem gelbe Wolle aus der letzten Zwiebelfärbung und mit Cochenille rotgefärbte Wolle überfärbt. Da die Färbung kalt erfolgt, kann man sogar fertige Wollpullover überfärben! Und Seidentücher! Und Rohwolle zum Filzen! Ich gerate in einen totalen Farbrausch und beschäftige mich tagelang mit Hacken, Kneten und Rühren...

  • Achtung: Diese Färbung eignet sich für Seide und Wolle. Baumwolle nimmt den Farbstoff nicht auf, andere Fasern habe ich nicht ausprobiert. Seide wird strahlend hellblau/türkis, bei Wolle zieht der Farbton etwas stumpfer auf, ist aber ebenso schön!

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